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1986–2026 DAS JUBILÄUM

40 Jahre Harmonikamuseum

Seinen Ursprung hat das Harmonikamuseum in der Heimatstube Zwota im Ludwig-Haus, Braugasse 1, die auf Initiative von Otto Eichelberger und Hans Heinig eingerichtet und 1986 eröffnet wurde. 1998 zieht die Ausstellung in die ehemalige Schule in der Kirchstraße 2 um. Der 12. Oktober 1999 ist das Gründungsdatum des Fördervereins Zungeninstrumentensammlung Zwota e.V.; der erste Vorsitzende ist Siegward Glaß, damals Bürgermeister in Zwota. Die Ausstellung wird 2008 um den Themenbereich Elektronische und Elektromechanische Tasteninstrumente sowie Verstärkeranlagen aus heimischer Produktion erweitert. Am 22. Juli 2012 eröffnet der Mundart- und Erlebnisraum, in dem der Heimatverein Zwota e.V. seither zahlreiche Sonderausstellungen zu verschiedensten regionalen Themen zeigte. Mit der Fusion der Stadt Klingenthal und der Gemeinde Zwota fällt der Fundus des Harmonikamuseums per 1. Januar 2013 an die neue Stadt Klingenthal. Am 26. März 2020 ging in der Stadtverwaltung Klingenthal ein Bewilligungbescheid ein; in der Folge konnte die 1888/1889 erbaute Schule eine geförderte Dach- und Fassadensanierung sowie neue Kunststofffenster erhalten. 2024 erfolgt die Sanierung der Sanitäranlagen. An der Ostwand des Museums setzt Nico Roth 2024 ein großes Wandbild nach einem Entwurf von Thomas Lenk um. 2026 kann das Harmonikamuseum Zwota sein 40jähriges Bestehen feiern.

Der untenstehende Beitrag aus dem Kulturbote Nr. 8 vom März 1998 geht anlässlich des Jubiläums 2026 online. Die Schätze der Heimatstube Zwota – heute Harmonikamuseum Zwota – erwarten ihre Bewunderer seit 1998 in der ehemaligen Schule. Der Beitrag erzählt von einem letzten Besuch mit Hans Heinig in der Heimatstube Zwota im Ludwig-Haus, Braugasse 1, wo sie 12 Jahre lang untergebracht war.

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Hans Heinig 1998 in der Heimatstube Zwota im Ludwig-Haus, Braugasse 1 © Th. Lenk

Besuchen Sie die Heimatstube Zwota

Wer die Heimatstube in Zwota besichtigen wollte, lenkte seine Schritte bisher in Richtung Hammerplatz und wunderte sich womöglich über den schlechten Zustand des alten Fachwerkgebäudes Braugasse 1. Dabei hofften viele, daß, nach Ankündigung durch Bürgermeister Manfred Graupner im Jahre 1987 in der Freien Presse, die Rekonstruktion und Renovierung fortgeführt würden. Doch seit Abschluß der Arbeiten an der Stirnseite sah das Haus wohl keinen Handwerker mehr. Die kleine Gemeinde Zwota sieht sich derzeit außerstande, aus eigenen Mitteln das Gebäude instand zu setzen. Der bedauernswerte Anblick des Hauses in der Ortsmitte ließe sich aber auch mit geringem finanziellen Einsatz zumindest retuschieren, meinen viele Zwotaer. —

Drinnen erwartete mich bereits der Heinig, Hans. Gerade hatten wir noch telefoniert und den Termin vereinbart; »Sofort? Na gut, für die Heimatstub‘ mach ich alles.«, sagte er, ohne lange zu zögern zu. – Das kleine Zimmer stand voller Instrumente. Das ist aber längst nicht alles, erfuhr ich. Was hier keinen Platz mehr fand, deponierte man in der leerstehenden Zwotaer Schule. Insgesamt verfüge man allein über eine Mundharmonikasammlung von mehr als 700 Exponaten. Eine Heimatstube einzurichten, entschloß man sich im Jahre 1981 – angeregt durch eine Ausstellung anläßlich der 350-Jahr-Feier Zwotas im Gasthof Walfisch. Die Initiatoren waren damals Hans Heinig und Heinz Eichelberger. Heute wird die Ausstellung von Elke Eßbach betreut. Eigentlich waren ursprünglich drei Räume für die Ausstellung vorgesehen – für die getrennte Präsentation von Mund- und Handharmonikas und für die Einrichtung einer typischen Heimarbeiterstube. Daraus wurde aber bis heute nichts. —

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Sonderbriefumschlag der AG Philatelie Zwota anlässlich der Internationalen Akkordeonwettbewerbe 1988 © ArchivKHW

Die Exposition betrachtete der Besucher bis vor kurzem an jenem besonders geschichtsträchtigem Ort, denn das alte Fachwerkhaus war der Stammsitz der 1844 gegründeten Harmonikafabrik der Gebrüder Ludwig. Da aber im »Ludwig-Haus« die entsprechenden Bedingungen nicht geschaffen werden können, zog man vor kurzem in die ehemalige Schule in die Kirchstraße um, denn die wertvollen Exponate hätten im feucht-kalten Raumklima nicht mehr lange auf eine Entscheidung warten mögen. Sicher haben sie bereits unter den schlechten Ausstellungsbedingungen gelitten. —

Der Kundige wird aber angesichts der in der Zwotaer Heimatstube angesammelten »Schätze« über alle Unzulänglichkeiten großzügig hinwegsehen. Findet sich doch hier die ganze Palette an Zungeninstrumenten unserer heimischen Industrie – von der Maultrommel über Mundharmonikas und Blasharmonikas bis hin zu Bandoneons, Concertinas, Piano- und Knopfakkordeons, Wiener Harmonikas und Deutschen Harmonikas. Sie zeugen von der großen Zeit der Musikinstrumentenbranche hier bei uns. Zudem erhält der Besucher interessante Einblicke in den Herstellungsprozeß der Blockflöte und der Stimmplatte. Auch Stimmpfeifen – für Chöre oder Dirigenten – und Stimmgabeln fehlen nicht. Trotz-dem derzeit an der Präsentation der Exponate im neuen Ausstellungsraum in der Schule noch gearbeitet wird, freut man sich in Zwota über jeden Besucher. —

Wir verließen die Heimatstube, denn auch uns war kalt. Hans Heinig sperrt ab. Zuvor warfen wir noch einen Blick in die Ortschronik von Zwota, an der er arbeitet. Vier Bände hat er bereits zusammengestellt – der Heinig, Hans, der doch eigentlich gar kein echter »Zwotiger« ist.

(tl) Kulturbote Nr. 8, März 1998

Stimmen aus dem Gästebuch der Heimatstube Zwota

»Ein Ort lebt auch von und mit seiner Geschichte. Wir sind begeistert von dieser wundervollen Sammlung und der liebevollen Präsentation. Diese Heimatstube muß der Öffentlichkeit gezeigt werden! Wir werden es weitersagen.«

Dieter Plinke, Akkordeon-Musik-Händler, Berlin, 1991

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»Der erste Eindruck der Heimatstube Zwota ist sehr gut. Persönliche Initiative, zu DDR-Zeiten häufig gebremst, hat der Gemeinde ein Kleinod beschert, dessen Wert man sich heute leider noch nicht bewußt ist. Hoffen wir gemeinsam, daß das Interesse der Einwohner am Fremdenverkehr, das man heute häufig nur am Schild ›Zimmer frei‹ erkennt, sich auch auf die Heimatstube überträgt. Sie ist einzigartig!«

Andreas Martin, Institut für Volkskunde, Dresden, 1991

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»Die Sammlung dieses Hauses enthält Schätze aus der Vergangenheit des Zwotaer und Klingenthaler Harmonikagewerbes, die für künftige Generationen unbedingt erhalten werden müssen. Vieles von dem, was hier zu sehen ist, sind letzte Zeugnisse einer einst blühenden Industrie, die den Charakter des Musikwinkels prägte.«

Dr. Kurt Kauert, Klingenthal, 1994

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»Diese ›kleine‹ Ausstellung gibt einen umfassenden und eindrucksvollen Überblick über die Entwicklung der Zungeninstrumente. Herzlichsten Dank, daß unsere Mitglieder aus Anlaß unserer Mitgliederversammlung Gelegenheit bekamen, diese schöne Sammlung zu besichtigen«

Dr. Jürgen Hocker, Vorsitzender der Gesellschaft für Selbstspielende Musikinstrumente e.V.

Kulturbote Nr. 8, März 1998

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Otto Eichelberger und Hans Heinig (v. l.) © Archiv KHW